Wie ich zur Bühne kam (Auszug aus meiner Lesung)

…meine erste „Bühnenerfahrung“ sammelte ich mit ungefähr 5 Jahren, als uns unsere Grundschullehrerin im Rahmen eines Theaterstückes in Rhabarber-Kostüme stopfte und wir völlig wild und unkontrolliert durch die Gegend umherliefen und ständig „Rhabarber-Rhabarber“ rufen mussten.

 „Gut“, werden jetzt einige sagen, „bei uns in der Abteilung ist das ganz normal, wenn jemand vom Betriebsrat Geburtstag hat.“ Ich bin mir nicht sicher, welche psychologischen Spätfolgen dieses Stück bei uns auslöste, aber keiner von uns schaffte Jahre später beim 1. Versuch das Abitur. Dafür sind 12 von 123 Schülern hinterher Fruktarier geworden. Rhabarbar-Bauer ist keiner geworden – KEINER!

Drei von uns berichteten beim letzten Klassentreffen, dass sie seitdem nur bei geöffneter Schlafzimmertür einschlafen können. Alle drei sind – wen wunderts?? – Rechtsanwälte geworden. Die Sammelklage vor dem Den Haager Menschenrechts-Tribunal gegen die Grundschule wurde in letzter Instanz wegen Überlastung leider abgeschmettert.

Ich war immer davon ausgegangen, dass Lehrern eine gründliche pädagogische Ausbildung zuteil wird. So wundert es mich heute, dass sich die Lehrer wundern, dass Kinder sauer werden, wenn sie als Rhabarber auf der Bühne stehen müssen…