Die Bürodekoration (Auszug aus meiner Lesung vom 01. Juli 2016)

Letzte Woche wurde ich von meiner Firma nach Hannover entsandt. Ich habe einen unserer Lieferanten besucht, genauer gesagt eine EDV-Firma. Für alle die jetzt nicht genau wissen was eine EDV Firma ist: Das hat was mit Computers und so‘n neumodischen Krams zu tun. EDV ist eine Abkürzung – wer sich auskennt weiss, EDV steht für „Etliche Daten-Verluste“. Deshalb hat zum Beispiel auch Facebook sehr viele EDV-Experten. Und die HSH-Nordbank vermutlich auch.

Ich habe mich gewundert, warum ich dorthin fahren muss und die nicht zu uns kommen. Schließlich verdienen die mit uns ja einen Haufen Kohle. Als ich die anrief um die genau das zu fragen, hörte ich am anderen Ende der Leitung ein hysterisches Lachen:

„Hey Kalle, die Deppen aus Hamburg wollen wissen, warum nicht einer von uns zu denen kommt. Ja, das ist der Deal für 100.000 Euro. Für solche Peanuts fahren wir ja nicht mal auf die andere Seite von Hannover“.

Da zeigt es sich wieder, Deutschland könnte weltweit führend in alternativen Energien sein. Wenn es nur den gesamten Platz für Solarzellen ausnützen würde, in der unendlichen deutschen Servicewüste.

Wir haben uns auf einen Kompromiss geeinigt – die fahren nicht nach Hamburg. Dafür bring ich den Kuchen mit. Also, 150 Kilometer bis nach Hannover. Die schönste Strecke Deutschlands. Wenn man Staus mag.

Im Büro des Vertriebschefs angekommen, merke ich gleich, zwischen ihm und mir gibt es ganz große Unterschiede. Zum Beispiel: Ich bin da. Er nicht.

 Seine Sekretärin fragt mich, ob ich warten möchte. Ich sage, nein. Ich muss (warten).

 Als ich mir sein Büro ansehe, ist mir gleich klar…